NL4 / 2023: „SUPERILLA“ in Barcelona
„SUPERILLA“ in Barcelona
Die Sommer werden heißer und die Städte vergrößern sich, vielerorts meiden Menschen die Stadt und verbringen ihre Freizeit irgendwo im Kühlen und möglichst weit weg von Ballungsräumen. Nicht so in Barcelona: dank der „Superillas“ (katalanisch) bzw. der sogenannten „Superblocks“ (deutsch). Sie sind das Herzstück eines Konzepts für nachhaltige Mobilität, das auf einem Stadtplanungskonzept aus den 1990er Jahren beruht.
Bei diesem Konzept will man die Menschen in die Mitte des Geschehens bringen und die Autos an den Rad schaffen. Hierbei werden neun Häuserblocks zu einer „Superilla“ zusammengefasst. Innerhalb dieses Blocks haben Fußgänger: innen und Radfahrer: innen Vorrang. Der Zugang im PKW ist nur für Lieferpersonal bzw. Anrainer: innen erlaubt, die auf den verbleibenden Einbahnen des Viertels mit einem Tempolimit von maximal 10km/h verkehren dürfen.
Mit ihren Superblocks hat sich Barcelona zu einer Vorzeigestadt im Kampf gegen die heißen Sommer entwickelt. Unzählige Städte weltweit wollen sich nun ein Beispiel daran nehmen. Die Superblocks versprechen eine hohe Lebensqualität für jung und alt durch geringe Abgase und wenig Lärmverschmutzung durch PKW’s sowie zahlreiche Aufenthaltsorte zum Verweilen und spielen. Walk-space.at war vor Ort und hat diese Viertel genauer unter die Lupe genommen.
An einem heißen Augusttag bei 37 Grad und 45% Luftfeuchtigkeit geht es durch die Altstadt Barcelonas in Richtung des ersten Superblock, der im Jahr 2017 im Stadtviertel Poble Nou errichtet wurde. Der Fußweg dahin ist unerträglich, zu heiß und zu schwül. Wir durchqueren ein Viertel an dem sich ein Geschäft an das Nächste reiht, die angebotenen Waren und Speisen werden auf der Straße präsentiert und das Treiben ist lebendig. Zudem ist die Zahl der vorbeifahrenden Autos hoch. Am Ende dieses Treibens erreicht man eine große Straße und schon ist man im Superblock Poble Nou. Der Beginn des Viertels wirkt anfangs wie eine kaum befahrene Einbahnstraße, allerdings sind die vielen Bäumen, die rechts und links die Straße säumen und Schatten spenden sehr bemerkenswert. Durch den Schatten fühlt man sich augenblicklich wohler. Spaziert man weiter vorbei an bepflanzten Hochbeeten und Blumenkübeln erreicht man eine Kreuzung, auf der Pflanzen und Blumenbeete angelegt wurden. Überall stehen Holzbänke als Sitzmöglichkeit. Das Treiben der Menschen nimmt hier zu, viele Senior:innen sind mit ihren Gehhilfen unterwegs, Kinder hüpfen und spielen, vereinzelt liest jemand ein Buch und überall sind Menschen im sozialen Austausch miteinander.
Auch die umliegenden Bars sind gut besucht und erwecken den Eindruck einer Piazza in der Altstadt. Um das Treiben genauer zu beobachten setzen wir uns inmitten eines der Hochbeete auf eine Bank. Es ist sehr angenehm, weil von der extremen Hitze kaum mehr was zu spüren ist. Es weht ein angenehmer Wind und ehe wir es bemerken sind 1,5 Stunden vergangen. Wir spazieren weiter, da es hier im Superblock echt Spaß macht. Bisher haben wir vielleicht zwei bis drei fahrende Autos gesehen, unzählige Fahrräder und Fußgänger:innen. Für diese Gruppe ist es wie im Paradies, da man eigentlich konstant im Schatten dahin schlendern kann und genügend Möglichkeiten findet, um sich auszuruhen.
Diese Superblocks wurden 2016 von der Stadtverwaltung in Barcelona konzipiert und in Auftrag gegeben. Anfangs hatten die Bewohner:innen Bedenken geäußert: der Verkehr werde nicht eliminiert, sondern lediglich an einen anderen Ort verlagert oder das Geschäftssterben würde dadurch gefördert.
Nun, da die Superblocks bereits seit einigen Jahren bestehen, hat sich gezeigt, dass die Sorgen umsonst waren. Ganz im Gegenteil: das Geschäftstreiben hat bis zu 30% zugenommen und eine Gesundheitsstudie hat gezeigt, dass durch die Reduktion des Verkehrs von 1,19 Millionen Fahrten pro Woche auf 230.000 Fahrten pro Woche der Wert von Stickstoffdioxiden in der Luft unter den Richtwert der WHO fällt. Zudem zeigt die Studie, dass die Lebenserwartung der Bewohner:innen steigt und die jährlichen Todesfälle reduziert werden konnten.
Bisher wurden in Barcelona drei Superillas realisiert. Insgesamt will man allerdings 503 Blocks errichten und die bisher 60% autobefahrenen Straßen für andere Zwecke frei machen. Mit so einem genialen Konzept ist es auch nicht verwunderlich, dass sich Barcelona zum Vorreiter für viele andere Städte weltweit im Bereich der nachhaltigen Mobilität entwickelt hat.
Wir von Walk-space können nur sagen, Superblock mit super Konzept!!
Weiterlesen: Barcelona.de
Einige Impressionen:
Beitrag von Devi Ruffini, Walk-space.at, Aug. 2023
Weiterlesen:
Der Schulweg ist mehr als nur ein Weg zur Schule – er ist ein Ort des Lernens, des Entdeckens, der Entwicklung und des sozialen Miteinanders. Er ermöglicht es Kindern, Selbstständigkeit zu erlangen, fördert ihre Bewegung und trägt zu ihrer umfassenden persönlichen Entwicklung bei. Kinder sehen den öffentlichen Raum aus einer anderen Sicht, sie sind neugierig und spontan aber auch leicht ablenkbar. Es ist daher wichtig, dass alle Verkehrsteilnehmer:innen mit mehr Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme unterwegs sind – insbesondere zu Schulstart und an allen Orten, an denen Kinder aufhalten. Warum es sinnvoll ist, für Kinder stehen zu bleiben, zeigt Fussverkehr Schweiz eindrucksvoll mit der 👉 

















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mit dieser Ausgabe wollen wir wieder über Entwicklungen, Neuerungen und Innovationen rund um das Zufußgehen in Österreich und international informieren.


































Mitmachen bis 29.3.2023 - Österr. Fachkonferenz für FußgängerInnen, Weiz, 11.-12. Okt. 2023 




Als Mobilitätsplaner:innen beobachten wir, dass der Fußverkehr auf allen Ebenen an Bedeutung gewinnt: Die Straßenverkehrsordnung wurde fußgänger:innenfreundlicher, Fußverkehrsprojekte werden finanziell vom Ministerium für Klimaschutz gefördert und Gemeinden setzen Projekte um, welche die Qualität für das Zu-Fuß-Gehen erhöhen.
Mehrere Städte und Gemeinden in Niederösterreich setzen Impulse für das Zu-Fuß-Gehen. Die Mobilitätskonzepte für Herzogenburg und Wolkersdorf enthalten zahlreiche Maßnahmen für den Fußverkehr. In Langenzersdorf wird ein Fußverkehrskonzept erstellt – einer der Schwerpunkte ist das Umfeld der Volksschule. Und in St. Pölten wird an einem Masterplan aktive Mobilität gearbeitet. Mit der Neugestaltung des Promenadenringes hat St. Pölten bereits ein Leuchtturmprojekt in Planung.




Masterplan Gehen: Land NÖ / Bundesebene / Kommunen











































































